Marathon-DM: Weber und Schneider feiern Premieren-Titel


Sascha Weber (Mitte) holte sich den Marathon-Titel vor Julian Schelb (li.) und Simon Stiebjahn. Foto: Schmude
Sascha Weber (Mitte) holte sich den Marathon-Titel vor Julian Schelb (li.) und Simon Stiebjahn. Foto: Schmude
07.09.2019 | Daun (rad-net) - Der Wahl-Freiburger Sascha Weber hat zum ersten Mal in seiner Karriere den Deutschen Meister-Titel im Marathon geholt. In Daun gewann er nach 100,5 Kilometern im Sprint hauchdünn vor Titelverteidiger Julian Schelb und Simon Stiebjahn. Bei den Damen konnte Janine Schneider ebenfalls ihren ersten Meister-Titel deutlicher feiern. Sie holte Gold vor Nadine Rieder und Sabine Spitz, die bei ihrer letzten DM die 28. Medaille gewann.

Bei den Herren gab es im Verlauf ein paar Versuche die Spitzengruppe zu sprengen, doch so richtig riss es erst 15 Kilometer vor dem Ziel auseinander.

Als es etwa sieben Kilometer vor dem Ziel in einen Trail ging, wurde es hektisch. Die drei Top-Favoriten Sascha Weber (Maloja-Rocky Mountain), Julian Schelb (Stop&Go Marderabwehr) und Simon Stiebjahn (Team Bulls) hatten eine kleine Lücke herausgefahren, doch sie stießen auf Fahrer der Kurz-Strecke und E-Bike-Piloten.

«Julian war an erster Position, konnte aber nicht ganz durchziehen, da die anderen nicht auf die Seite gegangen sind», berichtete Simon Stiebjahn. So konnten Simon Schneller und Peter Herrmann (Firebike-Handelshof) zwei Kilometer vor dem Ziel nochmal aufschließen.

Als es ins Finale ging, kassierten die beiden aber erneut eine Lücke und sprinteten mit zehn Sekunden Rückstand nur noch um Rang vier, mit besserem Ende für Herrmann.

Sascha Weber hatte schließlich im Sprint um eine Zehntelsekunde das Rad vorne, Julian Schelb wurde Zweiter. Simon Stiebjahn, dem man vielleicht sogar die größten Sprint-Qualitäten zugetraut hätte, mit knapp zwei Sekunden Rückstand Bronzemedaillengewinner.

«Ich bin happy», freute sich Sascha Weber, «nach diesem Jahr habe ich mir das verdient.» In der ersten Saisonhälfte hatte der Saarländer immer wieder starke Rennen gezeigt und Erfolge gefeiert. Für den 31-Jährigen, der aus St. Wendel stammt, ist es nach zwei U23-Meisterschaften im Cyclo-Cross der erste Titel in der Elite überhaupt. «Julian hat lange gewartet und dann ordentlich Gas gegeben. Aber ich denke, ich war heute der Stärkste», meinte Weber.

Allerdings bedauerte Julian Schelb, dass kaum zehn Meter vor dem Ziel auf der Geraden eine Ecke mit Begrenzungsgittern in seine Fahrlinie ragte. Er kam mit Tempoüberschuss, musste kurz rausnehmen einen kleinen Bogen fahren und verlor den Sprint nur um wenige Zentimeter. «Kein Vorwurf an Sascha, aber es ist halt schade, dass war eher ungünstig eingerichtet», sagte Schelb. Zum Rennen meinte der entthronte Titelverteidiger: «Ich musste schon den ganzen Tag kämpfen, die Beine haben sich nicht gut angefühlt. Ich habe dann aber trotzdem am letzten Berg angegriffen, so dass nur noch Stiebi und Sascha dabei waren.»

Simon Stiebjahn fehlt der Marathon-Titel noch in seiner Sammlung. «Es war eine knappe Entscheidung mit den zu erwartenden Protagonisten», kommentierte der Schwarzwälder aus Titisee-Neustadt. «Am Ende hat mir ein bisschen der Punch gefehlt.»

Damen: Punktlandung zum Meistertitel für Schneider
Wie bei den Herren, gab es auch bei der Marathon-DM in Daun auch bei den Damen eine Premiere. Janine Schneider aus Lottstetten wurde nach 100,5 Kilometern zum ersten Mal Deutsche Meisterin. Sie gewann nach 4:11:16 Stunden 58 Sekunden vor Nadine Rieder aus Sonthofen und Sabine Spitz (SG Rheinfelden).

Die Damen legten erst einmal ein verhaltenes Tempo vor. Erst nach einer Schiebepassage an einer Brücke bildete sich ein Führungsquartett. Neben den drei Medaillengewinnerinnen war noch Stefanie Dohrn von Centurion-Vaude mit dabei. Sie ließ aber immer mal wieder Führungsarbeit aus und konnte am Ende auch nicht mehr mithalten.

Sabine Spitz (Wiawis Bikes) und Nadine Rieder (Rotwild Factory Racing) konnten sich zwar kurz mal einen kleinen Vorsprung heraus fahren, doch es kam wieder zum Zusammenschluss. Genauso als Janine Schneider (German Technology Racing) etwa bei Kilometer 80 zum ersten Mal hart antrat. «Ich habe es mal versucht, um zu schauen, was im Feld passiert, dann aber wieder rausgenommen, weil es doch noch weit war», erklärte Schneider.

15 Kilometer vor dem Ziel war es erneut Schneider, die an einem steilen Anstieg die Entscheidung suchte – und fand. «Es war ja noch ein Stück bis ins Ziel, aber ich dachte, ich versuche es jetzt einfach», so Schneider. Die 24-Jährige und damit Jüngste unter den Top-Fahrerinnen fuhr sich eine so große Lücke heraus, dass auch das Teamwork von Nadine Rieder und Sabine Spitz in einer Flachpassage nicht mehr half.

Schneider triumphierte und stellte damit unter Beweis, dass ihr Sieg beim Heimrennen in Singen im Mai kein Zufall war. «Ich habe gemerkt, dass heute ein guter Tag ist und versucht das Beste rauszuholen. Dass es so eine Punktlandung wird und ich den Meistertitel hole, das ist natürlich super. In den vergangenen Jahren hat es bei der DM nie so geklappt, deshalb spüre ich eine riesen Freude. Aber so richtig begriffen habe ich es noch nicht», kommentierte Schneider ihren Erfolg.

Am Donnerstag hatte die studierte Physiotherapeutin noch Diplom-Abschlussfeier. «Ich wusste natürlich nicht, wie sich das auswirkt», bekannte Schneider. Offenbar jedoch zumindest nicht negativ.

Auf dem letzten Kilometer ging es für Nadine Rieder und Sabine Spitz um Silber und Bronze. «Als es in den Zielanstieg ging, habe ich gemerkt, dass ich stärker bin und so konnte ich ohne Zielsprint Zweite werden. Das Rennen lief super, ich habe mich von Beginn an stark gefühlt», erklärte Rieder.

Sabine Spitz verabschiedete sich mit Bronze von der deutschen Wettkampf-Bühne. Für sie steht zum Ende ihrer Karriere nur noch die Marathon-WM auf dem Programm. «Der letzte Anstieg war noch mal knackig, da ist mir Nadine weg gefahren», kommentierte Spitz. «Es war hart zum Ende hin, aber ich bin zufrieden mit Platz drei. Janine und Nadine haben verdient Gold und Silber gewonnen, Bronze ist für mich zum Abschluss okay.»

Masters: Westhäuser verteidigt Titel
Titelverteidiger Markus Westhäuser (Bike-o-Rado Racing) gewann den Meister-Titel bei den Masters-Fahrern 2 vor Uwe Hardter (Texpa-Simplon) und Lukas Kubis (MTB Teck). Westhäuser hatte sogar eine schnellere Zeit als die Elite-Fahrer. Die Masters-Fahrer 2-4 waren zehn Minuten später gestartet. Das ließ auf eine taktisch geprägte Fahrweise in der Spitzengruppe schließen.

Die Wertung der Masters-Kategorie 1 gewann Matthias Frohn (Firebike-Handelshof) vor Florian Vrecko (Embrace the World) und Julius Wagler (Turbine Erfurt).


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